Demokratie und Klima

Ausstellung 10.4. - 15.5.2026

UNITED STAR OF EUROPE, TrashmaidBerlin, Berlin, 2024, Objekt, 150 x 150 cm, ca. 10 kg, gelber Plastikmüll aus dem öffentlichen Raum und der Natur aus den 27 EU-Staaten

Pressetext (pdf)
Flyer 


Alles Krise?

Ein künstlerischer Blick auf Demokratie und Klimaschutz

15 internationale KünstlerInnen fragen danach, wie Demokratien bedroht sind und wie sich dies auf die Klimakrise auswirken kann. In Installationen, Malerei, Skulpturen, Grafik, Fotografie, Video und Sound konfrontieren sie den Ist-Zustand mit Szenarien für die Zukunft. 

Künstlerisch greifen sie demokratische Schwachstellen auf, thematisieren Machtmissbrauch und erinnern an Spielräume der eigenen Handlungsfähigkeit. “Demokratie und Klima. Demokratisches Handeln für den Klimaschutz” ist eine Ausstellung, in der sich verschiedene Haltungen üben lassen. Im Begleitprogramm zeigen auch Kinder und Jugendliche ihre Kunst zum Thema, Vortragende geben Beispiele für aktive Zivilgesellschaft und kooperative Demokratie.


Jury Team GG3: Tom Albrecht, Stephan Groß, Maria Korporal, Katja Hock, Andrea Striesova

Kurator: Tom Albrecht


Programm

10.4.2026, 19 Uhr Vernissage

Begrüßung: Tom Albrecht, Einführung in die Ausstellung: Katja Hock, DJ/Live/Hybrid Set:  teiaaa. Experimentelle Klänge, Texturen und Collagen 

17.4., 19 Uhr Zivilgesellschaft aktiv. Lesung mit Gespräch. 

Katharina Dietze, Omas for Future und Omas gegen Rechts 

24.4., 19 Uhr Künstler:innengespräch,

in dem beteiligte Künstler:innen ihre Werke erläutern und mit den Besucher:innen in den Dialog treten. Moderation Katja Hock 

1.5. Werke für Kinder, Jugendliche und Erwachsene

17 - 20 Uhr Ausstellung, 17: 30 Uhr Führung durch die Ausstellung, Stephan Groß 

2.5., 17 -19  Uhr Ausstellung der Werke von Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen 

3.5., 17 - 20 Uhr Ausstellung der Werke von Erwachsenen 

8.5., 19 Uhr Vortrag mit Gespräch

Direkte Kooperative Demokratie am Beispiel des Berliner BaumEntscheids“. Aglaia Hajkova 

15.5., 19 Uhr Finissage 


Kunstwerke:

„Artikel 20 Alternativ“ von Thomas Behling eröffnet die Debatte. Die 2026 entstandene Arbeit wandelt den Artikel 20 des Grundgesetzes in eine kritisch-ironische Fassung und vor allem gegen den Demokratiebegriff um. Stephan Groß zeigt in „ZORN“ von 2024 das Akronym einer fiktiven Partei, die sich in Schlagwörtern zollfrei, ökologisch, revolutionär und national einhüllt. In Groß „VOTE/VETO“(2026), zusammengesetzt aus vier großformatigen Kartonbuchstaben, lädt der Künstler die BesucherInnen dazu ein die Buchstaben O und E zu vertauschen und stellt somit dar, dass politisches Handeln Entscheidung, Bewegung und Verantwortung bedeutet. Zum Tag der Arbeit am 1. Mai erfolgt die Präsentation seiner 30-minütigen Videoarbeit „Die Wirtschaftsweisen“. 2026 entstanden, ist sie eine Verbindung aus Experimentalfilmen und Musikvideo.

Dreißig Holzspielwürfel sind mit Begriffen und Schlagworten aus dem Maßnahmenkatalog der Klimarahmenkonventionen der COP30 (Conference of Parties) beschriftet. Mit einem Wurf entsteht eine zufällige Wortanordnung, die neue Sinn(lose)zusammenhänge ergeben. Künstlerin Ute Dietz zeigt in ihrem partizipativen Werk „random principle _ climate conference“ von 2026 auf humorvolle Weise, wie beliebig die Maßnahmen der UN-Klimakonferenzen gesetzt sind. Auch in der Grafik „Schere, Stein, Papier I“ von Lioba von den Driesch findet sich der spielerischer Ansatz. Ihre locker gezeichneten, unterschiedlichen Handpositionen sind mit Begriffen aus politischen Diskursen versetzt und treten gegeneinander an - mit verheerenden Resultaten.

Eine kleine Daumenfigur unter einer Kuppel auf verspiegeltem Grund spielt mit der trügerischen Eindeutigkeit bei demokratischen Entscheidungsprozessen. Gosia Hejnat thematisiert in ihrem 2026 entstandenen Assamblageobjekt „Der Daumen“ die Verdrehung von Zustimmung und Ablehnung im Kontext der Klimakrise.

Eine Tischartige Skulptur aus Papierresten und Stroh „How to Start a Movement“ (2022) von Nick Crowe und Ian Rawlinson weckt Assoziationen von Zusammenkunft politischer Entscheidungsträger.

Carsten Borck beschäftigt sich in „Big Tech: Der Preis ist zu hoch“, einer seriellen Grafikarbeit von 2026, mit den negativen Folgen der Geschäftspraktiken großer Technologiekonzerne auf Gesellschaft, Umwelt und Klima, deren Hauptverantwortliche sich immer mehr demokratiefeindlich äußern. 

Eine riesige antikisierende Büste versinkt im Meer, währenddessen eine Frauenfigur auf einer Eisscholle das Geschehen ruhig beobachtet. Ran Yous Gemälde, 2025 entstanden, kritisiert die Trägheit des kapitalistischen Lebensstils der Mittelschicht, die sich trotz persönlicher Sicherheit einer aktiven Beteiligung am Klimaschutz entziehen.

Tom Albrechts „Wir wollen Solar“ von 2026 lässt aus dem mit Plastikchips belegten Grund einer Obstkiste Stacheln mit kleinen Sonnenplakaten sprießen. Somit versinnbildlicht Albrecht fossilen Konsum, seine daraus resultierende, äußerst gefährliche Reaktion mit der Natur und den Ruf nach Wandel zu regenerativen Energiegewinnungsmöglichkeiten. 

Drastische Handlungen auf den Klimanotstand und Machtlosigkeit vertont Carina Pesch in der 2023 entstandenen Soundarbeit „Lost Generation!? Ein Fiebertraum von Carina Pesch und Vier Hungerstreikenden“. Das über 50-minütige Hörspiel handelt von der Bundestagswahl 2021, bei der sieben jungen Menschen an ihre körperlichen Grenzen gehen.

Das großformatige Triptychon „Reignforest“ von Chuu Wai aus dem Jahr 2021 zeigt anhand der Zerstörung der Myanmarschen Regenwälder, wie autoritäre Macht ökologische Zerstörung beschleunigt. Mit Priorisierung der Ressourcengewinnung geht die Unterdrückung von demokratischen Debatten einher, öffentlicher Widerstand wird zum Schweigen gebracht und Desinformation verbreiten sich. 

Im Gegenzug demonstriert die partizipativ entstandene Arbeit „UNITED STAR OF EUROPE“ von TrashmaidBerlin bürgerliches Engagement: 2024 führte die Künstlerin mit Hilfe von Beteiligten aus 27 EU-Staaten gelb gesammeltem Plastikmüll zu einem gelben Europa-Stern zusammen.

Und „Kool im Kiez“ ist eine dreiteilige Zeichenreihe von Felicitas Butt aus dem Jahr 2024, die demokratische Teilhabe und Umsetzung des Maßnahmenkataloges zur Klimaanpassung im lokalen Kiez darstellt. In seiner Videoarbeit „Beton Sakti“ von 2025 zeigt Alfred Banze eine indonesische Gruppe, die sich zum Schutz von lokaler Natur und Kultur selbstorganisiert, aber dennoch von globalen Playern abhängig ist.