Onlinegalerie Leichtfüßig

6. Oktober – 24. November 2023

KünstlerInnen
Tom Albrecht, Thomas Behling, Kuesti Fraun, Christiane Gaebert, Yossi Galanti, Andrea Golla, Mariel Gottwick, Stephan Groß, ulli grötz, Beret Hamann, Claudia Michaela Kochsmeier, Maria Korporal, Frédérique Lanquetin, Christoph Medicus, Rachael Mellors / Pete Hudson, Annegret Müller, Inês Miguel Oliveira, Monika Ortmann, Oliver Otto Rednitz, Rosa Schmidt, Anne Sommer-Meyer, Anna Staffel, Gudrun Staiger / Rudi Beutinger, Christina Stark, Lioba von den Driesch

Link zu Text und Programm der Ausstellung

 


Tom Albrecht
You Can´t Beat the Feeling! (1990/2023)

Coladose, Schneckenhäuser, Stein

Der ökologische Fußabdruck ist klein. Gefunden ist Verpackung, Naturstein, Schneckenhäuser, neu ist Klebstoff.
Das Werk zeigt die Verhältnisse der Macht auf unserem Planeten. Die Natur symbolisiert durch die Schnecken wird uns Menschen mit unserer Verschwendung überleben.


Thomas Behling
Süße Katz (2019)

Fotografie, Bleistift, Papier, Glas, Rahmen

Inschrift:
„Erst fraß ich den Vogel
und der Mensch die ganze Welt.
Dann fraß der Mensch mich
und dann in seiner Verzweiflung
sich selbst.“


Kuesti Fraun
Little Baggy (2018)

Video, HD, in Farbe, mit Ton (stereo)

Als kleiner Junge wollte ich immer einen Hund haben, aber wir konnten uns das nicht leisten. Also hab‘ ich mir einfach eine Tüte gekauft, das ist fast dasselbe. Komm schon, kleine Tüte, lass uns spazieren gehen.
Ein filmisches Experiment, „environ – mental“, im besten Sinne, über das, was uns umgibt, über Imagination und Behauptung, und Wahrnehmung, die zur Realität werden kann.


Christiane Gaebert
BERLINBERLIN (Work in Progress)

Papierobjekte aus ADAC Atlas-Seiten, Berliner BVG Stadtplan

Ein alter ADAC Straßenatlas und ein BVG Faltplan wurden vor dem Wegwerfen im digitalen Zeitalter gerettet und zu einer luftigen Installation schwebender Papierobjekte arrangiert. Als Westberliner Kind bekam ich die Teilung meiner Stadt stark zu spüren, da die Hälfte meiner Familie in Ostberlin hinter der Mauer lebte. Besuche waren selten und von Schikanen der Grenzbeamten begleitet. Grenzen zerteilen, schneiden in Land und Leute, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ich zerschneide und verwandle diese menschengemachten Gebietsansprüche in etwas Leichtes. vergangenheitsbewältigung der besonderen Art.


Yossi Galanti
Fleeing Aridness (2023)

Can be exhibited either projected on a screen or wall or on a tvcomputer screen. Up on curatorial decision.

Meine Videoarbeit „Fleeing Aridness“ zeigt eine vielschichtige Bildsprache, die in erster Linie aus Video- und Standbildern besteht. Die Arbeit zeigt eine Reise durch eine trockene Landschaft an einem heißen Sommertag und versucht, eine persönliche und einzigartige Perspektive auf die globale Erwärmung zu vermitteln.
Im Kern fängt Fleeting Aridness die ständige Bewegung eines nicht identifizierten Menschen ein, der inmitten von trockenem Unkraut und anderen Pflanzen geht. Auf seinem Weg wird er zum Symbol für die Menschheit insgesamt, die sich in einer durch die Auswirkungen des Klimawandels unwiderruflich veränderten Welt bewegt. Die anonyme menschliche Präsenz lädt das Publikum dazu ein, sich in den Protagonisten hineinzuversetzen und sich mit einer universellen menschlichen Erfahrung zu verbinden.


Andrea Golla
Waste your time (2023)

Temporäre Bodenarbeit
Textil- und Materialreste

Abfälle unseres täglichen Konsums, wie Obst und Gemüsenetze, alte Strümpfe, Socken sind die Grundlage meiner handgeknüpften Teppiche.
Das Material stammt aus eigenen Beständen, aber auch aus Spenden von Mitsammler*innen. Ich fordere Menschen zum Sammeln auf und sensibilisiere sie so für die Beschaffenheit und Menge des Materials.
Mit der Wahl des Materials hinterfrage ich unser Konsumverhalten.

Die beim Zuschnitt des Teppichflors entstandenen Reste werden in Behältern geschichtet und sind Grundlage für eine, an den Ausstellungsraum angepasste Bodenarbeit – „Waste Your Time“. Indem ich Schicht um Schicht abtrage und zu einem temporären Teppich am Boden lege, wird der zeitliche Aspekt durch das entstandene Streifenmuster verdeutlicht. „Waste your time“ entwickelt sich parallel zu den geknüpften Teppichen als deren Summe weiter und bewegt sich wie ein Zeitstrahl durch den Raum.


Mariel Gottwick
Jede Woche eine neue Welt (World in Progress) (2023)

Gebrauchte Versandkartons mit Bleistift beschriftet

Den Begriff WELT bezeichnet Wikipedia als „alles, was ist“.
Auf den leeren Versand-Kartons sind Beschriftungen zu erkennen, die Auskunft über den ursprünglichen Inhalt der Verpackungen geben. Unterschiedliche WELTEN sind es, die hier versendet wurden. Wie zufällig sind die Kartons neben- und übereinander auf dem Boden gestapelt. So sind manche Beschriftungen nur teilweise lesbar. Mit veränderten „Stapelungen“ ergeben sich neue inhaltliche Beziehungen.
Die Arbeit hat keine fixe Form; sie befindet sich in einem dauernden Prozess der Veränderung. So ist das Publikum aufgefordert, die Kartons umzustapeln. Neue Welten werden sichtbar, neue Beziehungen ergeben sich. Die Sicht der Menschen auf die Dinge, bestimmt ihre Weltbilder.
Darüber hinaus wird die Künstlerin ihre Arbeit im Laufe der Ausstellung durch weitere „Weltenkartons“ ergänzen, im besten Fall, in jeder Woche eine neue Welt.


Stephan Groß
Hand of God (2023)

Objektcollage aus zwei gefundenen Keramiken

Bei „Hand of God“ handelt es sich um die Verbindung zweier Objets trouvés, einer Vase und einer Keramikhand, die vormals als Schmuckständer diente. Mutig wie einst Diego Maradona bei seinem berühmten Handtor sucht auch diese Hand Gottes ihren Weg, während sie leichtfüßig über die Vasenhälse wandert. Die Herkunft meiner Materialien meist von Bürgersteigen gewährleistet einen minimalen ökologischen Fußabdruck dieser collagehaften Fingerübung in spontaner skulpturaler Poesie. Wir sind eine Wegwerfgesellschaft. Welche Nutzeffekte, Denkanstöße oder Empfindungen sind aus den Überbleibseln zu bergen?


ulli grötz
congratulations (2023)

collage

BP stellte als teil der im Jahr 2000 gestarteten und großangelegten 200 mio. dollar schweren werbekampagne den „Carbon Footprint Calculator“ auf ihrer webseite vor. viele berechneten daraufhin ihren fußabdruck. damals noch unbekannt ist dieser begriff heute jedem geläufig. ein gelungenes konzept um den verbrauchern die verantwortung zur rettung des klimas zu überlassen. indessen BP den anschein erweckt, bereits etwas gegen die klimakatastrophe zu tun, doch weiterhin seine ölförderung massiv ausbaut. längst ist nachgewiesen, dass wir als einzelne verbraucher kaum einfluss auf den stopp der erderwärmung nehmen können. ein wandel kann nur über die politik und somit die konzerne kommen um die katastrophe aufzuhalten. als „kampagne des jahres“ wurde BP mehrmals mit dem „gold effie award“ (preis für effiziente Markenkommunikation) ausgezeichnet…für nachhaltigen erfolg.


Beret Hamann / RetHa
Istanbul Megacity #7, City-Skyline (2019)

Bildmontage aus Elementen alter Einladungskarten des Neuen Atelierhauses Panzerhalle auf Karton, gerahmt in Metallglasrahmen

Meine Bildmontage ist eine Montage aus Elementen alter Einladungskarten unseres Atelierhauses. So nutzte ich vorhandenen bedruckten Karton, zerlegte ihn in Einzelteile, um daraus in einem kreativen Prozess ein neues Werk zu schaffen, eine Herausforderung, die kleinen Teile passend Stück für Stück, wie in einer Art Puzzle, in eine neue Ordnung und zugleich Bildmotiv zu bringen. Vorhandenes Material wurde zu einem Kunstwerk recycelt.
Das Motiv verweist auf „Eine schöne neue Welt“, wie überall zu beobachten ist und ist gesellschaftskritisch zu verstehen. Moderne neue Bauten und Skyscraper entstehen in einem Turbotempo und entbehren der menschlichen Dimension. Eine neue Ordnung wird zementiert. Das Stadtpanorama von Istanbul verändert sich sehr stark, wie ich seit langem verfolge. Das Werk ist entstanden zur Ausstellung #schönheitFÜRALLE im Kunstraum Potsdam 2019 zu „100 Jahre Bauhaus“.


Claudia Michaela Kochsmeier
Geschichtsrächtige Formen rufen ein Gefühl von Wirklichkeit hervor (1998)

Found Footage

Ein alter tragbarer Fernseher mit Holzverkleidung. Er hat eine Sandkruste bekommen, auf dem Fußabdrücke zu sehen sind. Der Fernseher hat damals die Welt nachhause gebracht. Heute ist er ein Relikt, das zu den vielen Spuren der Menschheit in der Welt gehört.


Maria Korporal
Small Steps (2023)

Künstlerbuch / Daumenkino. Grafit-Frottage, Bleistift, Tusche, Collage auf Papier

Die Arbeit ist ein Animationsfilm in analoger Form des Daumenkinos / Künstlerbuchs. Es zeigt Fußabdrücke von Kinderschuhen, Grafit-Frottage auf jeder Seite, begleitet von Stempelbildern, Zeichnungen und Collagen, die animierte Sequenzen darstellen. Das Buch kann von beiden Seiten durchgeblättert werden und eröffnet unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten. In der Mitte veranschaulicht eine Sequenz die Evolution vom Vierbeiner (Affe) zum Zweibeiner (Mensch). Am Ende trägt die menschliche Figur den Titel „Re Sol – Re Sole“, eine ironische Anspielung auf die Vorstellung vom Menschen als Krönung der Evolution. Alle Materialien stammen aus meinem Fundus oder sind Gebrauchtwaren. Die Kinderschuhe symbolisieren die Möglichkeit der jüngsten Generation, ihren ökologischen Fußabdruck zu minimieren. Außerdem möchte ich betonen, dass kleine Schritte große Veränderungen bewirken können.


Frédérique Lanquetin
qu’elle pourrisse, se corrompe et rejaillisse de la terre (Lass sie verfaulen, verderben und aus der Erde wachsen) (2023)

Bleistift, Pigment, Tusche auf Papier

Es handelt sich um eine kleinformatige Zeichnung, die das Bein eines fettleibigen Menschen darstellt, das von einem Pilz verschlungen wird. Die Materialwahl, mit Naturpigmenten statt beispielsweise Acryl, ist bewusst ökologisch gewählt. Das Bild geht über die Verformung des Körpers aufgrund von kapitalistischem Junkfood hinaus und findet die Poesie des natürlichen Verfalls und der Evolution – der Fuß erscheint paradoxerweise schwebend.


Christoph Medicus
Don’t you throw yourself away again? (Wurfpuppe) (2013)

Übriggebliebene Sandsäcke, verknotet

Eine ins Jugendalter vergrößerte Wurfpuppe, aus übrig gebliebenen Sandsäcken der Dessauer Flut 2013 geschnürt. Sie liegt dem Besucher zum freien Spiel und Assoziatiieren bereit. Die Wurfpuppen entwickelte Alma Siedhoff-Buscher 1923 als widerstandsfähiges und zugleich weiches Spielzeug für Kleinkinder. Sie waren bestens zum zärtlich Umschlossenhalten, aber auch zum Werfen geeignet: Die biegsamen Bastkörper, die das Grundgerüst der Puppen bildeten, konnten ohne Schaden zu nehmen.
Auch die hiesige Puppe kann vom Besucher in eine andere Position gelegt, getreten oder geworfen werden. Jede darauf folgende Assoziation ist ein möglicher Anstoß unseren Umgang mit übriggebliebenen Dingen zu überdenken.


Rachael Mellors ( artist) Pete Hudson ( video)
Remembrance (2021-2023)

Buchstaben, Schuhanzieher, Knöpfe, Reißverschlüsse, Manschettenknöpfe, Wäscheklammern, Leitern, rostige Metallwerkzeuge, Badefuß, Trichter, Glocken, Flasche Nelkenöl, Messer, Fensterläden, Tortentrichter, Spiegel, Gläser, Kette, Ruderschloss, Gewichte, Baumwollspulen, Draht, Bandagen, Löffel, Kerzen

Remembrance“ entstand durch meine Trauer und Überlegungen nach dem Tod meiner Mutter im Jahr 2021, als ich das 66 Jahre alte Haus der Familie ausräumte. Für meine Mutter hatte alles einen Wert und wurde aufbewahrt. Es konnte nützlich sein. Ich mache Assemblagen mit diesen Objekten, intuitive Antworten auf die Erinnerungen und Gefühle, die die Gegenstände hervorrufen.
Skulpturen aus Lehm, der von erodierenden Klippen gefallen ist, gebrannt in einer Grube, befeuert mit abgeschnittenen Olivenzweigen, verbinden unser Leben.
Die Objekte in allen Assemblagen ruhen oder balancieren zusammen.
Das Werk verkörpert Nachhaltigkeit und den Prozess der Kreislaufwirtschaft durch das Prinzip der Wiederverwendung und des Recyclings von Materialien. Das Video zeigt einige der Arbeiten, die für ein Installationsprojekt „Remembrance“ entstanden sind.


Annegret Müller
Reisenähmaschine (2014)

Fotoinstallation,
Farbprint, Edelstahl, Garn

Ich begebe mich in ein Spannungsverhältnis, von gebrauchten, scheinbar wertlosen Materialien und einer neuen Sichtbarmachung selbiger. Eine Visualisierung ihrer materiellen Energie. Um ihnen Wertigkeit und ehemaligen Glanz zurückzugeben. Sie wieder in den Focus des Betrachtens und der Wertschätzung zu rücken.
Eine alte Nähmaschine, gefunden abseits aller Wege, vergessen vor langer Zeit. Ich habe diese Maschine mit einem neuen Nähfuß ausgestattet. Es ist das Experiment sie wiederzubeleben, sie wieder sichtbar zu machen.


Inês Miguel Oliveira
night garden (2023)

Blumen, Honig, Leim und Blatt auf rohem grundiertem Stoff

„Night Garden“ ist ein Experiment mit natürlichen Pigmenten und Farben.
Jede Farbe ist mit verschiedenen Blumen aus dem Garten meiner Eltern gemacht. Dies ist das Haus, in dem ich aufgewachsen bin, im Dorf Prazins Santa Eufémia im ländlichen Norden Portugals. Die resultierenden Farben waren unvorhersehbar, da jedes Pigment während des Prozesses Veränderungen durchlief und die Einwirkung des Stoffes und des Lichts auch sein Aussehen veränderte. So wurde der „Nachtgarten“ zu einem nicht planbaren Gemälde, das sich von der Farbe leiten ließ, während meine Hand nur als Werkzeug diente.


Monika Ortmann
Morgen tanzen wir und sind grundlos glücklich (2021)

Installation: Strumpfhosen-Schuhe-Stahlreifen

Morgen tanzen wir und sind grundlos glücklich
Figurinen aus einst von Frauen getragenen Strumpfhosen und Schuhen, deren Präsenz durch die subjektive Kreatürlichkeit spürbar bleibt. Die schwebenden Wesen nehmen skurril den Raum ein und beginnen bei Energiezufuhr zu tanzen.
Mein Lieblingsmaterial sind seit den 1970er Jahren Strumpfhosen, denn Nylons sind ein ideales malerisches und bildhauerisches Medium, es ist transparent, extrem dehnbar und lässt sich in jede Form bringen. Die Netzwerk-Arbeiten verbinden ihre ästhetische und konzeptionelle Dimension mit einer bewussten, gesellschaftsbezogenen zeitgenössischen Haltung. Netze und ihre inneren Strukturen setzen sich mit Hierarchien und Ausbeutungs-Szenarien durch übergeordnete Systeme auseinander und stellen so Fragen nach der persönlichen Verortung im Zusammenhang.


LITEKULTUR
WAS BLEIBT VON MIR (2021)

Mixed Paper

Die durch ständiges Überkleben und wechselnden Wetterbedingungen entstandenen Schwarten illegaler Plakate werden zu dreidimensionalen Reliefs an den Häuserwänden und dienen Schicht für Schicht als Leinwand.
Die letzte Ebene forme ich dann selbst mit Fragmenten anderer Werbeplakate, deren Motive oder Slogans von den Produkten, Dienstleistungen und Marken befreit werden, ergänze politische Motive, Aufkleber oder Fundstücke und überlagere das Ganze mit Lack und Farbe.
Es entstehen dreidimensionale Objekte, die mit den Mitteln der Collage und Decollage, Abriss und Ausriss ein Über-Bild darstellen und den Betrachter zum Diskurs einladen.
Anders als das Werbeplakat wendet sich meine Plakatkunst an alle Bürger*nnen. Nicht das Bedürfnis nach mehr Konsum und der Reiz des Egoismus, sondern Anleitung zu gesellschaftlicher Verantwortung, Liebe, Respekt und Mitgefühl ist das Ziel meiner Plakate.


Rosa Schmidt
BEST OF SPREE/PARS PRO TOTO (1:1000) (2023)

Boden-Wand-Installation (~ 20xmax.50×30 cm HBT: 10+10 natürliche sowie anthropogene Flussschwemmgutobjekte vor Ort sowie 10.000 weitere gespülte anthropogene Fundobjekte, 10 gewaschene Bodypaintaquarelle ~ DIN A5, Acrylglasverschnittreste)/Performance ~ 20 Min.

Indoor Walking Act mit postmaterialistischen Tanzelementen lässt Bilder einer Flusslandschaft anhand sich im Raum verteilender anthropogener sowie natürlicher Schwemmgutmaterialien entstehen – die Objekte werden im Spannungsfeld von archäologischen Fundstücken eines verblassenden Zeitalters des kulturellen Irrtums und utopischem Ausblick auf eine Kultur des vertrauten dialogischen Umgangs mit umgebenden Naturkräften präsentiert.
Kombiniert werden Werkrelikte der letzten 10 Jahre mit gewaschenem Elbflusssystemschwemmgutfundmaterial – stellvertretend für 10 x 1000 weitere anthropogene Fundstücke: Die Verantwortung zur Tilgung der extraktiven Materialflut wird im Spülwasserbild ehemaliger Bodypaintaquarelle dokumentiert, der materialistische Zeitgeist tanzend ins Leere geführt.


Anne Sommer-Meyer
Wanderpokal (2023)

Materialcollage, starkgebrauchte Kinderschuhe und altes Spitzendeckchen auf benutzter Käseschachtel

Kinderschuhe als Wanderpokal
Dieses Paar starkgebrauchte KInderschuhe wurde in den 40er oder 50er Jahren des letzen Jahrhunderts durch die Familie einer Freundin gereicht. Sie konnte mir nicht sagen wieviele Kinder in diesen Schuhen laufen lernten oder gelaufen sind. Vor einigen Jahren landeten sie bei mir und standen seitdem auf meinem Arbeitstisch. Für mich sind sie auf Käseschachtel und Spitzendeckchen eine Trophäe für leichtfüßigen, ökologischen Fußabdruck.


Anna Staffel
Der Untergang des Handwerks (2022)

Papier Kollage

Aus der Serie „Nachtfalter 2021 – 2023“
Die Papier Collage „Der Untergang des Handwerks“ zeigt die zerstörerischen Folgen gesellschaftlicher Wandlungsprozesse als schwebenden Zustand.
Die Collage wurde auf Grundlage gesammelter Zeitschriften, zufälliger Fundstücke oder Geschenke produziert, daher hat sie nur einen „leichten CO₂-Fußabdruck“.


verstoffwechselt (Gudrun Staiger & Rudi Beutinger)
Votum (2021)

Plastik, Kartonage, Acrylplatten

Die Funktion der Ballotage hat uns durch seine Einfachheit und Präzision überzeugt. In früheren Zeiten wurde diese einfache Wahlurne bei Stichwahlen oder sogenannten Kooptationswahlen (Ergänzungswahlen) verwendet.
Die Zählung der Stimmen erfolgt über ein einfaches Pro und Contra, also durch Einwerfen einer Kugel in zwei von außen nicht einsehbaren Fallrohren.
Bei der Arbeit „Votum“ handelt es sich um eine interaktive Plastik, bei die Betrachtenden eine Ihr gestellte Frage durch Einwerfen einer Kugel in die verspielte Konstruktion beantworten könnten. Im Innern des Objekts wird die Kugel quasi per Zufall auf einen falschen Weg geführt und die Stimmabgabe verfälscht.
„Votum“ thematisiert den Missbrauch der Freiheitsrechte, die über ein rechtmäßiges Wahlverfahren in scheinbar demokratischen Verhältnissen den Bürger*innen oft nicht zur Verfügung stehen bzw. missbraucht werden.


Christina Stark
Mittel und Zweck (2022)

Collage

Nov. 22 betitelt Friedrich Merz die Klimaaktivisten als kriminelle Straftäter, ihr Handeln als schwerste Straftaten. Stellt sich die Frage nach Radikalität und Gegenradikalität.
QR-Code des Artikels:
Aus dem Artikel sind die Laute der Wörter „Mittel“ und „Zweck“ entnommen und auf zwei handliche Steine geklebt.
Leichter ökologischer Fußabdruck, weil: die Steine sind auf der Straße gefunden, die Buchstaben einem gelesenen Zeitungsartikel entnommen, Kleber ist erlaubt.


Lioba von den Driesch
Mitläufer (2023)

Gruppe aus 5 Objekten; Holz, Papier, Textil

Mitläufer ist die verniedlichende Bezeichung für eine leichtgewichtige, wankelmütige Spezies, unbelastet von Kompetenz und Verantwortung, angetrieben von Herdenbewegungen, Opportunismus, Angst oder Glaube. Trotz ihres geringen Ansehens werden sie heiß umworben, denn sie bilden Mehrheiten – ausführende Mehrheiten.